UHF-Band für Mobilfunk?
Shownotes
In dieser Folge geht es um Funkfrequenzen, genauer gesagt um die künftige Nutzung des sogenannten UHF-Bandes. Wir besprechen mit unserem „Vernetzt“-Gast Prof. Bernd Sörries von WIK-Consult, ob die Frequenzen von 470-694 MHz weiter für terrestrisches Fernsehen eingesetzt werden sollten. Oder für Sicherheitskräfte bzw. für den Mobilfunk. Es steht eine Entscheidung mit Milliardenwirkung an.
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00:00:01:
00:00:08: Dieses Mal geht es in unserem Vernetzt-Podcast um Funkfrequenzen.
00:00:12: Genauer gesagt, um das so genannte UHF-Band zwischen fourhundertsebzig und sechshundertvierneunzig Megaherz.
00:00:20: Für dieses Frequenzband stellt sich gerade die Frage wie es in Zukunft eingesetzt wird?
00:00:25: Ob für das terrestrische Fernsehen oder für den Mobilfunk.
00:00:31: Wie sich die Entscheidung auf die digitale Zukunft Deutschlands auswirken, wird besprechen wir mit unserem Gast heute.
00:00:37: Ein Mikrofon begrüßen euch Sandra Rohrbach
00:00:40: und ich Nicole Schmidt.
00:00:41: Herzlich willkommen zu einer Ausgabe in der es sprichwörtlich um Milliarden geht!
00:00:46: Denn Wissenschaftler haben kürzlich berechnet, welche volkswirtschaftlichen Kosten je nach Nutzen des URF-Bahndes entstehen?
00:00:55: Im Studio bei uns ist heute Prof.
00:00:57: Dr.
00:00:57: Bernd Serius des Forschungs- und Beratungsinstituts Wiggkonsalt, er ist Autor der Studie zur zukünftigen Nutzung des URF-Bandes.
00:01:05: Herzlich willkommen Herr Serius!
00:01:07: Hallo schön hier zu sein.
00:01:09: Herr Professor Serius.
00:01:10: das Funkspektrum Vierhundertsiebzig bis Sechshundetvierneinzig Megahertz steht ab zwanzig einunddreißig für eine neue Nutzungen zur Verfügung.
00:01:20: wofür Wird denn dieses Frequenzspektrum gerade genutzt?
00:01:23: Und warum wird so intensiv jetzt um dieses Band gerungen.
00:01:27: Ja, heute wird das Frequenzband im Wesentlichen für lineares Fernsehen benutzt.
00:01:32: Daneben nutzen Künstler drahtlose Mikrofonsysteme genauso wie sie in Kirchen oder Schulen zum Einsatz kommen.
00:01:40: dann gibt es noch im Bereich Radioastronomie und kleinere Nutzung im Bereich Bundeswehr und Betriebsfunke.
00:01:47: In der Debatte wird ja oft aus der Sicht einzelner Branchen argumentiert.
00:01:51: Die Rundfunk- und Medienanstalten schauen auf das Thema anders als die Behörden mit Sicherheitsaufgaben, sogenannte BOS-Bereich oder natürlich auch anders wie die Mobilfunkanbieter.
00:02:01: Welche dieser Szenarien haben Sie denn in Ihrer Studie untersucht?
00:02:05: Wir haben uns auf den Nutzer konzentriert also weniger auf diejenigen, die dann nachher die Rechte zur Nutzung der Frequenz erhalten.
00:02:13: Das heißt was verändert sich für die Mobilfunktion Entkunden, was verändert sich für die Fernsehzuschauer?
00:02:19: Was verändert sich vielleicht für die Künstler oder die Einsatzkräfte bei Polizei- oder Feuerwehr.
00:02:26: Ein Ergebnis der Studie lautet ja, dass die Bedeutung von DVBT-II also diese terrestrisches Fernsehformat deutlich zurückgeht.
00:02:37: Gleichzeitig entstehen aber weiterhin erhebliche Kosten wenn man das eben terrestrisch Fernsehenhalte so verbreitet.
00:02:45: Wie bewerten Sie die Zukunft denn des klassischen Antennenfernsehens für Deutschlands?
00:02:51: Ich denke, die Zahlen, die es dazu gibt zeigen einen eindeutigen Trend in Richtung internetbasierten Fernsehen.
00:02:57: Das heißt wir als Fernsehzuschauer präferieren morgen immer mehr den nicht linearen Fernseekonsum.
00:03:04: das heißt wir richten uns nicht nach dem festen Programm der Fernseeanbieter Und insofern stellt sich die Frage, ob die Kosten, die zukünftig ungefähr sechzig Millionen Euro pro Jahr für DVBT II entstehen.
00:03:18: Ob die dann noch gerechtfertigt sind?
00:03:20: Weil dieser Verbreitungsweg nur lineares Fernsehen zulässt und wenn die Nutzung zurückgeht wir einen hohen Kostenblock haben der aber dann kaum einem reglichen Nutzen gegenübersteht.
00:03:33: Was wäre denn jetzt der Vorteil, Band für den Mobilfunk nutzen würde?
00:03:41: Wir kennen ja sicherlich alle aus dem Alltag.
00:03:43: Den Bedarf nach mehr Datenübertragung über die Smartphones, Tablets und was es sonst noch im Bereich IoT oder M-to-M Maschinen zu Maschinkommunikation gibt.
00:03:53: das heißt die Datenüvertragungen gehen nach oben.
00:03:56: Die Mobilfungennetzbetreiber müssen mehr Kapazitäten in ihre Netzen bereitstellen Und der Kapazitätszuwachs geht entweder über neue Mobilfunkstandorte oder über neue Frequenzen.
00:04:09: Wenn ein Teil des OF-Bands den Mobilfungennetzbetreibern zur Verfügung gestellt wird, können halt die Netzbetreber die Kapazitäten ohne zusätzliche Infrastruktur also ohne zusätzlicher Antennen Mobilfunktmasten erhöhen.
00:04:25: und das hat halt einen Vorteil in dem Sinne dass Kunden viel schneller von einer Kapazitätserhöhung profitieren, weil der Aufbau einer neuen Sendeanlage dauert in der Regel bis zu zwei Jahre.
00:04:36: Herr Prof.
00:04:37: Sirius, in ihrer Studie war es besonders spannend auch der Vergleich mit einem möglichen Breitbandnetz für Behörden und Organisation mit Sicherheitsaufgaben.
00:04:46: Warum kommen Sie dazu dem Schluss, dass öffentliche Mobilfunknetze hierfür diese Anwendungen wirtschaftlich deutlich effizienter werden?
00:04:54: Ja, wir haben auf Basis der Anforderung der BOS.
00:04:57: Also welche Datenraten die Einsatzkräfte im Downlink und Ablink benötigen berechnet das ein einigermaßen leistungsfähiges BOS-Netz mindestens achtundzwanzigtausend Basisstationen haben müsste.
00:05:11: Fünftausende Basisstations bestehen schon,
00:05:13: d.h.,
00:05:14: die BOS müssten ungefähr dreinzwanzigtausend Basistationen neu bauen.
00:05:18: Das beansprucht mehr als zehn Jahre.
00:05:21: bis dann wirklich das Netz tatsächlich da ist haben wir modelliert auf ungefähr neun Milliarden Euro.
00:05:27: Bis so ein Netz da ist, werden ja die BOS weiterhin die öffentlichen Mobilfunknetze, die sie ja heute schon mit nutzen verwenden.
00:05:35: Und wenn das in einem zehn Jahre Zeitraum weiter erfolgt, entstehen Kosten bei den BOSen von ungefähr eins Komma sieben Milliarden Euro unter dem Strich neun Minus.
00:05:45: Eins Komma Sieben ergibt eine Einsparung von über sieben Millionen Euro.
00:05:50: Wenn dann halt das eigene BOS-Netz da ist wird es wahrscheinlich nicht alle Anforderungen erfüllen können die Einsatzkräfte im beispielsweise Ad hoc Schadenslagen haben Weil die Kapazität immer noch nicht ausreicht.
00:06:03: Und diese Kapazitäten haben halt ... Die drei Mobilfunknetzbetreiber in jedem Fall vor Ort, weil dann kann ich ja alle drei gleichzeitig nutzen und bin ich nur auf einen Netz angewiesen.
00:06:15: Jetzt haben wir ja die verschiedenen Nutzergruppen einmal so durchdekliniert.
00:06:19: Terrestrisches Fernsehen, die Veranstaltungstechnik BOS und die Mobilfunke.
00:06:24: Wäre denn denkbar, dass dieses Frequenzband auch irgendwie gleichzeitig von verschiedenen Gruppen genutzt werden kann?
00:06:32: Ja das ist in der Tat möglich.
00:06:34: Wenn man den oberen Bereich sechsuntert Megahertz dem Mobilfunknetzbetreibern zur Verfügung stellt da gibt es auch entsprechende Technik beziehungsweise die Endgeräte werden dann auch verfügbar sein.
00:06:45: In dem Bereich darunter können weiterhin die drahtlosen Mikrofone zur Anwendung kommen und nochmal darunter direkt im Bereich Megaherts kann die Bundeswehr aktiv werden, die ja auch Interesse an den Frequenzen hat.
00:06:59: Sie verfügt aktuell bereits über Versuchsfunkfrequenze in diesem Bereich.
00:07:04: Das heißt diese drei Bedarfsträger könnten zum Zugekommen.
00:07:08: der Rohnfunk da könnte man überlegen ob man unterhalb von sechshundert Megahärts noch ein geschrumpftes DVBT-Zwei Netz zum Einsatz bringt.
00:07:17: Da aber auch die Medienregulierung, die Anzahl der Programme, die über die Terrestrik verbreitet werden zukünftig reduziert stellt sich die Frage ob da erst Rechtakzeptanz besteht.
00:07:28: Sondern ich denke für den Rundfunk wäre es interessant wenn die Mobilfungennetze leistungsfähiger werden sodass halt auch die Kunden über leisungsfähige Mobilfunknetze noch besser als bisher die Bewegtbildinhalte in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter nutzen können.
00:07:45: Und die wettbewerblichen Entwicklungen im Bereich Daten inklusiv volumina sind ja auch so, dass der Weg in Richtung Unlimited da ist.
00:07:54: Und jetzt Herr Professor Söhring ist die Frage aller Fragen wer entscheidet denn wie das URF-Band in Zukunft genutzt wird und vor allem auch wann?
00:08:01: Also es wäre interessant zu wissen oder gut zu wissen, dass das auch möglichst schnell klar ist.
00:08:06: Ja ich denke aus Sicht aller Beteiligten Von Vorteil, je früher eine Entscheidung fällt.
00:08:11: Gibt da unterschiedliche Ebenen?
00:08:14: Auf der Weltfunkkonferenz twenty-einunddreißig steht das Thema nochmal auf der Agenda.
00:08:19: Das ist Meisachtens zu spät.
00:08:20: Die Europäische Union Auch Deutschland können unabhängig von der WRC.
00:08:27: Jetzt kommt es darauf an, dass halt die Diskussion in Europa weitergeführt wird und schlussendlich muss dann in Deutschland der Frequenznutzungsplan geändert werden.
00:08:36: Das heißt, die Abgeordneten des Bundestages und auch die Länder müssen eine entsprechende Änderung beschließen.
00:08:42: Das kann man schnell machen.
00:08:44: Wir müssen bloß, weil wir ja von vielen Mitgliedstaaten umgeben sind eine Lösung herbeiführen das auch die Frequenzen in der Nähe zu Frankreich zur Österreich zu Polen genutzt werden können.
00:08:54: also europäische Lösungen je früher desto besser.
00:08:57: Nun haben Sie die Studie im Auftrag gemacht von den Mobilfunknetzbetreibern, Telekom, Telefoniker und Vodafone.
00:09:06: Also wenn sie den Blick auf die Betreiber also wie uns werfen was war für Sie denn vielleicht auch ein überraschendes Ergebnis als sich mit dem Thema beschäftigt haben?
00:09:16: Das Überraschende war Meissachtens dass die Vorteile dieser Frequenzen in dem ländlichen Bereich so groß sind, weil typischerweise wird als zusätzliche Kapazität durch andere höher gelegene Frequenz erreicht.
00:09:30: Wenn man jetzt eine dritte Kapazitätserhöhung durch zusätzlich zweimal zehn Megahertz pro Netzbetreiber realisiert ist das schon meines Erachtens sehr signifikant und kann halt auch sehr schnell den Kundenbedürfnissen gerecht werden.
00:09:44: Also insofern war das Ergebnis schon sehr interessant, weil man umgerechnet ungefähr viertausend Basisstationen einsparen kann.
00:09:52: Wer schon länger dabei ist weiß früher gab es mal im GSM Bereich viertausend Basistationen bundesweit und deswegen das ist halt eine signifikante Größe und diesen Vorteil kann man heben.
00:10:05: Jetzt gibt es diese Studie mit diesen entsprechenden Ergebnissen.
00:10:10: Was sollten aus Ihrer Sicht denn jetzt die politischen Entscheider berücksichtigen?
00:10:15: Ja, natürlich zum einen die Daten und Fakten, die wir in der Studie selbst erhoben haben und dann auch gerne natürlich mit den anderen Beteiligten darüber weiter diskutieren also mit der Rundfunksseite, mit der BOS-Seite, gerade auch mit den Ländern Auch mit PMSE, also den drahtlosen Mikrofon.
00:10:34: Damit halt eine Lösung realisiert wird die möglichst vielen die Nutzung dieser Frequenzen ermöglicht.
00:10:40: Das heißt am liebsten wäre mir eine faktenbasierte weitere Diskussion, die dann dazu genutzt wird auch im Brüssel Druck zu machen, dass wir schnellstmöglich eine europäische Lösung bekommen sodass dann auch die Frequenzen wirklich eingesetzt werden können.
00:10:56: Weil weder BOS noch der Mobilfunk noch richtig die Bundeswehr können die Frequenzen nutzen wenn halt im europäischen Ausland darüber weiter Fernsehen geschaut wird.
00:11:08: Vielen Dank für diesen spannenden Einblick in ein technisch anmutendes Thema, was aber doch für die digitale Zukunft Deutschlands von entscheidender Bedeutung ist.
00:11:18: Wir danken Ihnen herzlich fürs heute da gewesen sein!
00:11:21: Und allen fürs Zuhören.
00:11:22: schaltet gerne wieder ein.
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